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Ernährung

Koffein und Cortisol: Kaffee in Perimenopause und Wechseljahren

12. September 2026 · Von Dr. B.J. Huber · 16 Min. Lesezeit

Kaffee wird gerade wieder gehypt. In den sozialen Medien liest du, wie gesund er ist, wie er das Leben verlängert und den Stoffwechsel unterstützt. Vieles davon stimmt sogar. Und trotzdem merkst du vielleicht, dass dein Kaffee anders wirkt als früher. Das Herz klopft schneller, der Schlaf leidet, nachmittags bist du unruhig, obwohl du nichts anders machst. Kennst du das?

Dafür gibt es einen biologischen Grund. Koffein treibt dein Stresshormon Cortisol nach oben, und in der Perimenopause baust du Koffein langsamer ab als früher. Dieselbe Tasse wirkt dann stärker und länger. In den Beiträgen über den gesunden Kaffee kommt diese Seite selten vor. Sie sprechen von Durchschnittswerten und nicht von deinem Körper in dieser Lebensphase.

In diesem Artikel schauen wir uns an, was die Forschung zu Kaffee und Gesundheit wirklich zeigt, was Koffein mit Cortisol macht, warum die Hormonumstellung in der Perimenopause die Wirkung verändert, und wie du deinen Kaffee so nutzt, dass er dir hilft statt zu schaden.

Infografik: J-förmige Kurve. Auf der x-Achse die Tassen Kaffee pro Tag von 0 bis 6, auf der y-Achse das relative Sterberisiko. Die Kurve sinkt bis etwa drei bis vier Tassen auf den tiefsten Punkt und steigt danach wieder leicht an. Beschriftung: Der Nutzen ist am grössten bei drei bis vier Tassen. Abb. 1: Zusammenhang zwischen Kaffeemenge und Gesamtsterblichkeit in Beobachtungsstudien. Der tiefste Punkt liegt bei drei bis vier Tassen.1,2

Auf einen Blick
  • Moderater Kaffeekonsum ist mit Vorteilen verknüpft: Drei bis vier Tassen gehen mit rund 17 Prozent geringerer Gesamtsterblichkeit einher.1 Das sind Beobachtungsdaten, kein Beweis.
  • Koffein hebt Cortisol an, und gewohnheitsmässiger Konsum kann die Stressreaktion eher verstärken als abstumpfen.6
  • In der Perimenopause bremst das schwankende Östrogen den Koffeinabbau in der Leber.9 Koffein wirkt länger, mit mehr Unruhe und schlechterem Schlaf.

Ist Kaffee jetzt gesund oder nicht?

Für die meisten Menschen überwiegen bei moderatem Konsum die Vorteile. In einer grossen Übersichtsarbeit über Hunderte Auswertungen hatten Menschen mit drei bis vier Tassen pro Tag die niedrigste Gesamtsterblichkeit, rund 17 Prozent weniger als Menschen ohne Kaffee.1 Der Hype hat also einen wahren Kern.

Die Zahlen sind aussagekräftig, weil sie aus sehr grossen Gruppen stammen. Eine Dosis-Wirkungs-Analyse fand den tiefsten Punkt bei 3,5 Tassen pro Tag.2 Für Typ-2-Diabetes zeigt sich ein ähnliches Bild. In einer Auswertung von über einer Million Menschen sank das Risiko mit jeder zusätzlichen Tasse um rund 9 Prozent.3 Auch für Leber, Herz-Kreislauf und einige Krebsarten deuten die Daten auf ein geringeres Risiko hin. Dazu kommt ein Befund, der erst seit Kurzem untersucht wird: Kaffee verändert die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Dazu weiter unten mehr.

Eine Einschränkung wird dabei fast nie genannt. All das sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen einen Zusammenhang, keine Ursache. Menschen, die viel Kaffee vertragen, sind vielleicht von vornherein gesünder oder schlafen besser. Ausserdem gelten Durchschnittswerte für grosse Gruppen, nicht für dich an einem konkreten Tag. Zwei Dinge entscheiden mit, ob Kaffee dir guttut: was er mit deinem Cortisol macht, und wie schnell du ihn abbaust.

Was macht Koffein mit deinem Cortisol?

Koffein wirkt, indem es einen körpereigenen Müdemacher blockiert. Über den Tag sammelt sich im Gehirn der Botenstoff Adenosin an und macht dich schläfrig. Koffein besetzt dessen Andockstellen und hält dich wach.4 Dieselbe Aktivierung regt auch die Stressachse an, und der Cortisolspiegel steigt.

Wie stark, hängt von der Dosis und der Gewöhnung ab. In einer kontrollierten Studie nahmen die Teilnehmenden fünf Tage lang 0, 300 oder 600 Milligramm Koffein pro Tag. Danach folgte eine Testdosis von 250 Milligramm um 9, um 13 und um 18 Uhr, das sind jeweils etwa zwei bis drei Tassen. Nach einer Koffeinpause stieg das Cortisol über den ganzen Tag deutlich an. Bei täglichem Konsum war der Anstieg um 9 Uhr vollständig verschwunden, am Nachmittag und frühen Abend stieg das Cortisol dagegen weiterhin.5 Die Forschergruppe fasste es so zusammen: die Reaktion ist reduziert, aber nicht aufgehoben.

Daraus folgt etwas, das oft falsch verstanden wird. Der Morgenanstieg selbst wird von der inneren Uhr gesteuert und läuft auch ohne Kaffee ab. Koffein legt seine Wirkung obendrauf, und am Morgen fällt dieser Zuschlag klein aus, weil das Cortisol ohnehin nahe am Höchstwert liegt. Am Nachmittag, wenn der Wert niedrig ist, wiegt dieselbe Tasse schwerer. Deshalb macht der Nachmittagskaffee für den Tagesverlauf mehr aus als der Morgenkaffee.

Kaffee drückt deinen eigenen Morgenanstieg also nicht nach unten. Wer ohne die erste Tasse nicht in Gang kommt, spürt vor allem das über Nacht angesammelte Adenosin und den Koffeinentzug. Der Cortisolanstieg am Morgen findet auch ohne Kaffee statt. Die verbreitete Empfehlung, den ersten Kaffee neunzig Minuten nach dem Aufwachen zu trinken, um den natürlichen Anstieg nicht zu dämpfen, hat dafür keine gesicherte Grundlage. Wer damit besser durch den Vormittag kommt, kann es beibehalten, die Begründung mit dem Cortisol trägt aber nicht.

Lange galt: Wer regelmässig trinkt, gewöhnt sich daran, also kein Problem. Eine Studie von 2024 stellt das infrage. In zwei unabhängigen Gruppen fiel der Cortisolanstieg unter Stress bei regelmässigen Koffeinkonsumenten stärker aus, nicht schwächer.6 Bei Vieltrinkern könnte Koffein die Stressreaktion also eher verstärken. Zur Einordnung: Eine kleinere Studie im selben Jahr fand keinen solchen Unterschied.7 Die Frage ist noch nicht abschliessend geklärt, aber die Annahme, dass man sich einfach daran gewöhnt, greift zu kurz.

Infografik: Ablauf in drei Schritten. Schritt 1: Über den Tag sammelt sich Adenosin an und macht müde. Schritt 2: Koffein blockiert die Andockstellen und hält wach. Schritt 3: Dieselbe Aktivierung regt die Stressachse an, Cortisol steigt. Abb. 2: Wie Koffein über die Blockade von Adenosin wach macht und dabei das Cortisol anhebt.4,5

Warum baust du Koffein in der Perimenopause langsamer ab?

Weil Östrogen den Abbau von Koffein bremst. Koffein wird in der Leber über ein Enzym namens CYP1A2 abgebaut. Östrogen drosselt dieses Enzym. Bei hohem Östrogenspiegel bleibt Koffein länger im Körper und wirkt stärker.

Das sieht man am deutlichsten bei der Pille und in der Schwangerschaft. Unter der Antibabypille bleibt Koffein etwa doppelt so lange im Körper.8 Bis zum Ende der Schwangerschaft verdreifacht sich diese Zeit fast.9 Dieselbe Tasse wirkt dann viel länger, weil der Körper das Koffein kaum abbaut.

In der Perimenopause schwankt das Östrogen stark, und es gibt immer wieder Phasen mit hohen Werten. In diesen Phasen kann Koffein deutlich länger wirken als mit 25. Dazu kommt die genetische Veranlagung. Über dasselbe Enzym CYP1A2 gibt es von Natur aus schnelle und langsame Abbauer. Langsame Abbauer reagieren empfindlicher, und bei ihnen war ein hoher Kaffeekonsum in einer grossen Studie mit einem höheren Herzinfarktrisiko verknüpft, bei schnellen Abbauern nicht.10

Praktisch heisst das: Es gibt keine Kaffeemenge, die für alle passt. Wenn du merkst, dass dieselbe Tasse dich neuerdings zittriger macht, das Herz klopfen lässt oder den Schlaf stört, ist das keine Einbildung. Es kann daran liegen, dass du gerade langsamer abbaust.

Infografik: Vergleich von zwei Uhren. Links die schnelle Abbauerin, bei der Koffein nach wenigen Stunden abgebaut ist. Rechts die langsame Situation in der Perimenopause, in der Östrogen das Enzym CYP1A2 bremst und Koffein viel länger im Körper bleibt. Abb. 3: Östrogen bremst das Enzym CYP1A2, das Koffein abbaut. Dadurch wirkt dieselbe Menge länger.8,9

Wie hängt Kaffee mit Hitzewallungen und Schlaf zusammen?

Beide verstärken sich in der Perimenopause gegenseitig. Koffein aktiviert das Nervensystem, und ein aktiviertes Nervensystem ist genau das, was Hitzewallungen und schlechten Schlaf begünstigt. In einer Befragung an einer Menopause-Sprechstunde wurden die Daten von 1806 Frauen ausgewertet. Bei den Frauen nach der Menopause ging Koffeinkonsum mit stärker belastenden Hitzewallungen und Nachtschweiss einher. Für die Frauen in der Perimenopause galt das nicht. Bei ihnen war Koffein mit weniger Problemen bei Stimmung, Gedächtnis und Konzentration verbunden.11

Der Unterschied war klein, und die Studie hat alle Teilnehmerinnen zu einem einzigen Zeitpunkt befragt. Sie zeigt damit einen Zusammenhang, keine Ursache. Der Mechanismus ist plausibel, denn Koffein regt Kreislauf und Stressachse an, und beides spielt bei der Hitzeregulierung mit. Wer in der Perimenopause stark unter Wallungen leidet, kann den eigenen Kaffeekonsum trotzdem einmal beobachten. Ein Beleg dafür, dass Koffein die Wallungen in dieser Phase verstärkt, liegt aber nicht vor.

Beim Schlaf ist die Sache klarer. Koffein wirkt länger, als viele denken. In einer kontrollierten Studie störte eine Dosis von 400 Milligramm den Schlaf messbar, selbst wenn sie sechs Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen wurde.12 Wer um 16 Uhr den letzten Kaffee trinkt, hat also um 22 Uhr noch relevante Mengen im Körper. In der Perimenopause kommen zwei Dinge zusammen. Der Abbau läuft langsamer, und der Schlaf ist durch den Progesteronabfall ohnehin störanfälliger. Und ein zu hoher Koffeinspiegel am Abend hält auch das Cortisol oben, das am Abend sinken sollte. Wie sich der Cortisol-Rhythmus in dieser Phase verschiebt, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Was macht Kaffee mit dem Darmmikrobiom?

Dieser Zweig der Forschung ist jung, und die Befunde sind erstaunlich klar.

Eine Auswertung von 22.867 Menschen, ergänzt um Daten aus 211 weiteren Studien mit zusammen über 54.000 Teilnehmenden, fand einen Keim, der besonders eng mit Kaffee zusammenhängt: Lawsonibacter asaccharolyticus. Bei Menschen mit hohem Kaffeekonsum war er vier- bis achtmal häufiger als bei Menschen, die nie Kaffee trinken, und das über verschiedene Länder und Gruppen hinweg.13 Entkoffeinierter Kaffee zeigte denselben Zusammenhang. Das Koffein allein erklärt den Effekt also nicht, die Pflanzenstoffe im Kaffee spielen eine Rolle.

Eine Studie vom Mai 2026 ging einen Schritt weiter und schaute, was sich dabei im Körper verändert. 31 Kaffeetrinkende wurden mit 31 Menschen verglichen, die keinen Kaffee trinken. Danach verzichtete die Kaffeegruppe 14 Tage lang vollständig und nahm anschliessend 21 Tage lang entweder normalen oder entkoffeinierten Kaffee wieder auf.14

Bei den Kaffeetrinkenden fanden sich mehr Cryptobacterium curtum und mehrere Eggerthella-Arten, dafür weniger Veillonella parvula und Haemophilus parainfluenzae. Interessanter als die Namen sind die Stoffe, die dabei im Blut ankamen: Kaffeetrinkende hatten weniger Indol-3-Propionsäure, weniger Indol-3-Carboxyaldehyd und weniger GABA.

Der letzte Punkt ist für diese Lebensphase der relevanteste. GABA ist der beruhigende Botenstoff im Nervensystem, und Progesteron, das in der Perimenopause als Erstes abfällt, wirkt über genau diesen Weg. Wenn beides zusammentrifft, erklärt das einen Teil davon, warum das Abschalten am Abend schwerer fällt als früher.

Zur Einordnung gehört auch das: Die Studie ist klein und zeigt Unterschiede zwischen zwei Gruppen, keine Ursache. Die Kaffeetrinkenden fielen ausserdem durch mehr Impulsivität und stärkere emotionale Reaktivität auf, während die Nicht-Trinkenden in Gedächtnistests besser abschnitten. Ob der Kaffee das bewirkt oder ob impulsivere Menschen einfach mehr Kaffee trinken, kann diese Untersuchung nicht beantworten.

Wie viel Kaffee passt in der Perimenopause?

Eine feste Zahl für alle gibt es nicht, und genau das ist die wichtigste Botschaft. Die Studien zum Nutzen sprechen von drei bis vier Tassen im Durchschnitt. Ob das für dich passt, hängt davon ab, wie schnell du abbaust, wie du schläfst und wie dein Nervensystem gerade reagiert. Die folgenden Punkte helfen, den eigenen Rahmen zu finden.

1. Auf die eigene Reaktion achten. Zittrigkeit, Herzklopfen, innere Unruhe und schlechter Schlaf sind Zeichen, dass die Menge gerade zu hoch ist. Sie sagen mehr aus als jede allgemeine Empfehlung. Wenn diese Zeichen neu sind, ist das oft ein Hinweis auf den langsameren Abbau in dieser Phase.

2. Koffein früh am Tag halten. Weil Koffein sechs Stunden und länger nachwirkt, ist der Zeitpunkt entscheidender als die Menge. Der letzte koffeinhaltige Kaffee sollte am frühen Nachmittag getrunken werden, damit Cortisol am Abend absinken kann und der Schlaf nicht leidet. Wie sich der Schlaf in der Perimenopause verändert, liest du in einem eigenen Beitrag.

3. Kleinere Mengen an schlechteren Tagen. In Phasen mit vielen Wallungen, wenig Schlaf oder viel Stress lohnt es sich, ein oder zwei Tassen weniger zu trinken. Der Körper baut in solchen Phasen oft langsamer ab, und die gewohnte Menge wirkt dann stärker.

4. Nicht auf leeren Magen und nicht als Frühstücksersatz. Kaffee zu einer Mahlzeit mit Eiweiss belastet den Blutzucker weniger als Kaffee allein. Ein gleichmässiger Blutzucker hält wiederum das Cortisol stabiler.

5. Entkoffeiniert ist eine gute Option. Wer den Geschmack und das Ritual liebt, aber schlecht schläft oder stark auf Koffein reagiert, kann am Nachmittag auf entkoffeinierten Kaffee wechseln. Die Polyphenole im Kaffee bleiben dabei weitgehend erhalten.

6. Kein schlechtes Gewissen wegen des Morgenkaffees. Am Morgen ist der Cortisolspiegel ohnehin hoch, und der Körper verträgt Koffein dann meistens gut. So lässt sich Kaffee gezielt einsetzen, statt ihn ganz zu streichen.

Infografik: Zeitleiste, wann am Tag Kaffee sinnvoll ist. Morgen: Kaffee zur Mahlzeit, wenn Cortisol hoch ist. Vormittag: zweite Tasse okay. Früher Nachmittag: letzter koffeinhaltiger Kaffee. Nachmittag und Abend: entkoffeiniert, Tee oder Wasser. So bleibt der Abend ruhig. Abb. 4: Wann Kaffee trinken, wann nicht. Der Zeitpunkt zählt mehr als die reine Menge.

Warum das Aufhören oft länger dauert als gedacht

Koffein blockiert die Andockstellen für Adenosin. Das Gehirn gleicht das aus, indem es mehr davon bildet. Fällt das Koffein weg, trifft dieselbe Menge Adenosin auf deutlich mehr Andockstellen, und die Müdigkeit schlägt entsprechend durch.

Wie lange das dauert, ist gut untersucht. Die Symptome beginnen 12 bis 24 Stunden nach der letzten Dosis, sind nach 20 bis 51 Stunden am stärksten und dauern 2 bis 9 Tage. Die Hälfte bekommt Kopfschmerzen, bei 13 Prozent stört die Beeinträchtigung den Alltag. Schon 100 Milligramm am Tag, also etwa eine Tasse, reichen aus, damit ein Entzug auftritt.15

Viele berichten trotzdem von Wochen. Dafür gibt es drei Erklärungen, und keine davon ist der Entzug selbst.

Wer zwischendurch eine Tasse trinkt, beginnt von vorn. Das wirkt dann wie ein Entzug, der sich über Monate zieht.

Der Kaffee strukturiert ausserdem den Morgen, die Pause, das Gespräch mit der Kollegin. Diese Lücke hat mit Adenosin nichts zu tun und schliesst sich nicht von allein.

Am häufigsten ist der dritte Grund. Der Kaffee hat etwas überdeckt. Wer jahrelang mit vier Tassen funktioniert, merkt oft nicht, wie müde er eigentlich ist. Ohne Kaffee zeigt sich der tatsächliche Zustand, und der ändert sich nicht dadurch, dass man länger wartet. Dahinter stecken meistens Schlafmangel, ein niedriges Ferritin, die Schilddrüse oder in dieser Lebensphase der zerstückelte Schlaf durch den Progesteronabfall.

Wer nach vier Wochen ohne Kaffee immer noch nicht in Gang kommt, hat deshalb selten ein Koffeinproblem. Der Kaffee war die Kompensation, die Ursache liegt woanders. Welche Laborwerte in dieser Phase Aufschluss geben, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Was du jetzt tun kannst

Kaffee ist kein Feind. Für die meisten Menschen ist moderater Konsum mit Vorteilen verknüpft, und der Morgenkaffee ist selten das Problem. Es kommt auf Menge, Zeitpunkt und darauf an, wie gut du Koffein gerade abbaust. Und letzteres verändert sich in der Perimenopause.

Wenn du merkst, dass dein Kaffee anders wirkt als früher, lohnt es sich, zuerst Timing und Menge anzupassen, bevor du etwas anderes änderst. Der grösste Unterschied entsteht oft schon dadurch, den letzten Kaffee früher zu trinken.

Wenn du dein Gesamtbild aus Hormonen, Schlaf, Cortisol und Ernährung einordnen willst, ist das meine Arbeit. In meinem Hormoncoaching für die Perimenopause schauen wir uns an, welche Stellschrauben zu deinem Alltag passen, immer im Rahmen dessen, was Coaching leisten kann und was in ärztliche Hände gehört. Ein kostenloses Erstgespräch ist der einfachste Anfang. Es ist unverbindlich und findet online statt.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Poole, R., Kennedy, O. J., Roderick, P., Fallowfield, J. A., Hayes, P. C., & Parkes, J. (2017). Coffee consumption and health: umbrella review of meta-analyses of multiple health outcomes. BMJ, 359, j5024. doi: 10.1136/bmj.j5024

  2. Kim, Y., Je, Y., & Giovannucci, E. (2019). Coffee consumption and all-cause and cause-specific mortality: a meta-analysis by potential modifiers. European Journal of Epidemiology, 34(8), 731–752. doi: 10.1007/s10654-019-00524-3

  3. Ding, M., Bhupathiraju, S. N., Chen, M., van Dam, R. M., & Hu, F. B. (2014). Caffeinated and decaffeinated coffee consumption and risk of type 2 diabetes: a systematic review and a dose-response meta-analysis. Diabetes Care, 37(2), 569–586. doi: 10.2337/dc13-1203

  4. Fredholm, B. B., Bättig, K., Holmén, J., Nehlig, A., & Zvartau, E. E. (1999). Actions of caffeine in the brain with special reference to factors that contribute to its widespread use. Pharmacological Reviews, 51(1), 83–133. PMID: 10049999

  5. Lovallo, W. R., Whitsett, T. L., al’Absi, M., Sung, B. H., Vincent, A. S., & Wilson, M. F. (2005). Caffeine stimulation of cortisol secretion across the waking hours in relation to caffeine intake levels. Psychosomatic Medicine, 67(5), 734–739. doi: 10.1097/01.psy.0000181270.20036.06

  6. Cole, E. L., Grillo, A. R., & Vrshek-Schallhorn, S. (2024). Habitual caffeine use is associated with heightened cortisol reactivity to lab-based stress in two samples. Psychosomatic Medicine, 86(8), 730–737. doi: 10.1097/PSY.0000000000001334

  7. Ueno, M. (2024). No significant difference in salivary cortisol response on the Trier Social Stress Test-Online based on coffee consumption habits. BMC Psychology, 12(1), 483. doi: 10.1186/s40359-024-01968-3

  8. Patwardhan, R. V., Desmond, P. V., Johnson, R. F., & Schenker, S. (1980). Impaired elimination of caffeine by oral contraceptive steroids. Journal of Laboratory and Clinical Medicine, 95(4), 603–608. PMID: 7359014

  9. Nehlig, A. (2018). Interindividual differences in caffeine metabolism and factors driving caffeine consumption. Pharmacological Reviews, 70(2), 384–411. doi: 10.1124/pr.117.014407

  10. Cornelis, M. C., El-Sohemy, A., Kabagambe, E. K., & Campos, H. (2006). Coffee, CYP1A2 genotype, and risk of myocardial infarction. JAMA, 295(10), 1135–1141. doi: 10.1001/jama.295.10.1135

  11. Faubion, S. S., Sood, R., Thielen, J. M., & Shuster, L. T. (2015). Caffeine and menopausal symptoms: what is the association? Menopause, 22(2), 155–158. doi: 10.1097/GME.0000000000000301

  12. Drake, C., Roehrs, T., Shambroom, J., & Roth, T. (2013). Caffeine effects on sleep taken 0, 3, or 6 hours before going to bed. Journal of Clinical Sleep Medicine, 9(11), 1195–1200. doi: 10.5664/jcsm.3170

  13. Manghi, P., Bhosle, A., Wang, K., et al. (2024). Coffee consumption is associated with intestinal Lawsonibacter asaccharolyticus abundance and prevalence across multiple cohorts. Nature Microbiology, 9, 3120–3134. doi: 10.1038/s41564-024-01858-9

  14. Boscaini, S., Bastiaanssen, T. F. S., Moloney, G. M., et al. (2026). Habitual coffee intake shapes the gut microbiome and modifies host physiology and cognition. Nature Communications, 17(1), 3439. doi: 10.1038/s41467-026-71264-8

  15. Juliano, L. M., & Griffiths, R. R. (2004). A critical review of caffeine withdrawal: empirical validation of symptoms and signs, incidence, severity, and associated features. Psychopharmacology, 176(1), 1–29. doi: 10.1007/s00213-004-2000-x

Häufige Fragen

Ist Kaffee gesund oder schädlich?

Für die meisten Menschen überwiegen bei moderatem Konsum die Vorteile. Drei bis vier Tassen gehen in grossen Auswertungen mit einer geringeren Sterblichkeit einher (Poole et al., 2017). Entscheidend sind Menge, Timing und wie schnell du Koffein persönlich abbaust.

Warum wirkt Koffein in der Perimenopause stärker?

Koffein wird über das Leberenzym CYP1A2 abgebaut, und Östrogen bremst dieses Enzym. Wenn der Hormonspiegel schwankt, kann Koffein länger und stärker wirken als früher, mit mehr Unruhe und schlechterem Schlaf.

Wie lange dauert der Koffeinentzug?

Die Symptome beginnen 12 bis 24 Stunden nach der letzten Dosis, sind nach 20 bis 51 Stunden am stärksten und dauern 2 bis 9 Tage (Juliano und Griffiths, 2004). Wer nach mehreren Wochen immer noch erschöpft ist, hat meist kein Koffeinproblem mehr. Dahinter steckt dann eine andere Ursache, etwa Schlafmangel, ein niedriges Ferritin oder die Schilddrüse.

Wie viel Kaffee ist in den Wechseljahren okay?

Eine feste Zahl für alle gibt es nicht. Viele Frauen kommen mit ein bis drei Tassen am Morgen gut zurecht. Wichtiger als die Menge ist, das Koffein am frühen Nachmittag zu stoppen und auf die eigene Reaktion zu achten.

Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine qualifizierte medizinische Fachperson.

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